Sommer
tour Elbe Dresden - Hamburg - Heiligenhafen 2021

 


Eigentlich hätte diesen Sommer die Fortsetzung meiner im letzten Jahr unglücklicherweise abgebrochen Schweiz-Tour auf dem Programm gestanden. Im August wollte sich aber partout keine stabile Hochdrucklage einstellen und bei diesem "Aprilsommer", den wir dieses Jahr hatten, wäre eine Tour durch die Alpen etwas riskant gewesen. Schwerer Regen oder gegebenenfalls sogar Schneefall während der Befahrung von Alpenpässen ist nicht so das Ideale. Also habe ich mir die Elbe vorgenommen und bin
von Schönau kurz vor der tschechischen Grenze die Elbe hinab bis Hamburg geradelt, um von dort noch einen Abstecher zur Ostsee nach Heiligenhafen zu machen.

Das Wetter war dieses Jahr etwas durchwachsen. Es startete schon mit Regen am ersten Tag. Sehr motivierend, wenn man eine Fahrradtour macht. Meistens war es zwar sonnig, aber ohne den ein oder anderen Regenschauer ging es dieses Jahr nicht. Dafür war die Tour temperaturmäßig sehr angenehm zum radeln.

Die Vorplanung der Strecke hatte ich wie immer mit Hilfe des Tourenplaners von Komoot gemacht. Der Streckenverlauf kann durch entsprechendes Anklicken angesehen werden. Die Tour hatte eine Länge von rund 900 km und dauerte vom 31. Juli bis zum 18. August.


1. Tag: Zuganreise nach Dresden  

Die Anreise mit der Deutschen Bahn nach Dresden war ein Kapitel für sich. Die Deutsche Bahn bietet inzwischen zwar einige wenige Fahrradstellplätze in ihren ICEs an.
Das Ganze hat aber mehr eine Feigenblattfunktion. Es sind so wenige Plätze, dass man sie wohl Monate im Voraus buchen muss. Wenn man also dann eh schon bummeln muss, dann halt richtig, nämlich mit Nahverkehrszügen. Ein "Quer-durchs-Land-Ticket" kostet dann auch nur rund € 42,00 plus Fahrradkarte. Dafür war ich dann von Göppingen bis Dresden rund 7 Stunden unterwegs und musste öfters umsteigen.

Abends kam ich endlich gegen 17:00 Uhr in Dresden an und radelte zur dortigen Jugendherberge. Wie immer hatte ich ein Zimmer mit Bad für mich allein gebucht und die JuHe, mit 400 Betten mitten in der Stadt gelegen, ist vom Feinsten.
Sie war früher einmal eine SED Parteischule und ging dann im Zuge der Wende an die Stadt Dresden bzw. das Jugendherbergswerk über. Nach dem abendlichen Frischmachen gab's dann einen ersten Stadtbummel entlang der Elbe und durch die schöne Altstadt und man könnte fast vergessen, dass das Ganze eigentlich neudeutsch ein "Fake" ist, denn die Innenstadt Dresdens ist bei der Bombardierung Februar 1945 praktisch vollständig zerstört worden und bis Anfang der 2000er Jahre wieder aufgebaut worden. Hinter den Brühlschen Terrassen gibt es es ein schönes Gaststättenviertel.
Der Abend wurde dann noch sehr musikalisch abgerundet. Unter einem der Tordurchgänge zur Elbe hatte sich ein Opernsängerpaar platziert und schmetterte live zur Musik vom USB-Player einige sehr schöne Stücke.



2. Tag: Zuganreise zum Startpunkt Schönau - Dresden 58 km
                                                                                                                                                                                                                                Elbeufer

                                                                          
Am nächsten Morgen ging es nach einem guten Frühstück in der JuHe ab zum Hauptbahnhof und dann mit der S-Bahn nach Schönau, nahe der tschechischen Grenze, zum Startpunkt der Tour. Beim Start regnete es kräftig und das motiviert einen doch so
richtig, wenn man eine Fahrradtour beginnt. Glücklicherweise hörte der Regen nach etwa einer halben Stunde auf. Leider hing das ganze Elbetal dann voller Wolken. So konnte ich konnte das wunderschöne Elbsandstein-gebirge nicht so bewundern, wie es bei Sonne möglich gewesen wäre. Beeindruckend ist das Ganze trotzdem, zumal die Elbe sich hier im Oberlauf gebirgsbedingt ständig hin und her schlängelt.

Nach einigen Kilometern kam ich nach Königstein und ich als alter Burgenfan musste mir die imposant auf einem Tafelberg gelegene Festung Königstein natürlich unbedingt ansehen. Dafür muss man rund 250 m oben radeln, was dank "E" kein sonderliches Problem ist. Am Fuße der Burg gibt es dann erfreulicherweise bei den Fahrradständern auch Schließfächer, sodass man sein Gepäck wegsperren und die Festung in Ruhe besichtigen kann.

 

 

Die Festung in der heute zu sehenden Form wurde zwischen 1589 und 1597 ausgebaut. Die Mauer geht einmal rund um den Tafelberg immer entlang der Bergkante. Der 152 m tiefe Burgbrunnen wurde zwischen 1563 und 1569 in den Berg abgeteuft. Das war alles Handarbeit!

Nach der ausführlichen Besichtigung ging es dann flott wieder runter ans Elbufer und inzwischen an der Sonne zurück nach Dresden. Kurz vor Dresden gibt es auf der rechten Elbuferseite noch sehr schöne Villen aus der Gründerzeit am Elbhang zu bewundern und man passiert auch das sogenannte "Blaue Wunder", eine Stahlbrückenkonstruktion über die Elbe kurz vor Dresden.
                                                                                                                                 Festung Königstein Eingang                                            Festung Königstein

Am Abend war noch einmal ein gemütlicher Kneipenbummel durch die Altstadt angesagt
 

3. Tag: Dresden - Moritzburg - Meißen 56 km

Der Morgen begann schon wieder mit Regen, sodass ich mich in einem Durchgang des Dresdner Zwingers regensicher umkleidete. Nach einer halben Stunde hörte der Spuk aber auf und im Laufe des Vormittags wurde es sogar richtig sonnig und hielt bis zum Abend an.

Der Elberadweg ist einwandfrei ausgeschildert, sodass man eigent-lich kein Navigationssystem braucht. In Radebeul habe ich einen kleinen Abstecher zur Villa Shatterhand, dem dortigen Karl-May-Museum, gemacht. Es hatte allerdings coronabedingt geschlossen, sodass es weiter entlang der Elbe zunächst bis Coswig ging.
Dort musste ich natürlich unbedingt zum Schloss Moritzburg abbiegen. Der Märchenfilm „Drei Nüsse für Aschenbrödel" wurde einst dort gedreht und das Schloss liegt auch wirklich fantastisch in einem großen See. Die Fürsten wussten schon, wie man schön baut

                    
                       Schloss Moritzburg                                                                                                                                                                    Albrechtsburg Meißen

Einige Kilometer vor Meißen verengt sich das Elbetal dann wieder etwas und linker Hand thront majestätisch hoch über dem Fluss und der Altstadt Meißens die Albrechtsburg mit dem Dom. In Meißen fand ich bei einer Frau Leipner ein sehr schönes Zimmer, fast schon eine kleine Wohnung und habe dafür inklusive Frühstück einen sehr beschei-denen Preis bezahlt, den ich dann freiwillig aufgerundet habe. Frau Leipner war, soweit es die privaten Übernachtungsmöglichkeiten betraf, aber auch das einzige Highlight
auf der Tour.

Am Abend war dann ein Stadtbummel durch die sehr schöne Altstadt Meißens angesagt. Im Gegensatz zu vielen anderen Innenstädten der ehemaligen DDR und leider oft auch schon der alten Bundesrepublik, ist die Innenstadt recht lebendig und hat viele kleine Geschäfte. Zum Abendessen kraxelte ich die steilen Pflasterstraßen hoch auf die Burg, genoss den schönen Blick auf`s Elbetal und von der Terrasse eines dortigen Hotels auf die Altstadt. Der unvermeidliche, wenn auch glücklicherweise kurze Regen-schauer, musste natürlich nochmal sein.


4. Tag: Meißen - Torgau 83 km

Nach Meißen weitet sich das Elbetal erneut und eigentlich kann man ab dort schon fast bis zur Nordsee gucken. Wenn jemand wie ich in Süddeutschland groß geworden ist, und dort lebt, wo es ja doch etwas hügeliger ist, auch wenn es nicht gleich die Alpen sind, fällt einem die fast endlose Ebene doch schon sehr auf.

Um die Mittagszeit machte ich eine kleine Kaffeeause in Riesa. Diese war wieder eine der Städte, deren Innenstadt recht trostlos war. Ein paar Billigläden, sonst
nichts und zwischendrin nicht genutzte und daher verfallende Häuser.

Weiter ging es nach Torgau, wo ich gegen Abend ankam und mir erneut ein Privatquartier suchte. Das Zimmer der Pension Torgau hatte schon einen sehr eigenen "Ossicharme", um es einmal freundlich zu formulieren. Der Knüller war allerdings, dass offenbar irgendjemand während meiner Abwesenheit (Stadtbesichtigung) mein Schnelladegerät von Samsung gegen sein älteres Ladegerät von Alcatel ausgetauscht hatte. Da das Zimmer nur ein billiges Schloss hatte, war der Austausch offenbar nicht allzu schwierig gewesen. Immerhin hatte der Dieb mir freundlicherweise sein altes Ladegerät überlassen. Festgestellt habe ich das Ganze übrigens erst am nächsten Abend im Hotel in Wittenberg.

Torgau selbst hat eine recht ansehnliche Altstadt, wenngleich auch hier immer wieder eine DDR-Ruine den insgesamt freundlichen Anblick unterbricht. Die Suche nach einem Lokal zum Abendessen gestaltete sich etwas schwierig. In einem ersten Lokal stand ein ausgesprochen gelangweilter Wirt hinter seinen Tresen, sodass ich diese gastliche Stätte sofort fluchtartig wieder verließ. Bei einem Italiener gab es dann tatsächlich etwas zu essen. Die Bedienung ließ allerdings ziemlich zu wünschen übrig. In dieser Hinsicht gab es später in Havelberg allerdings noch eine deutliche Steigerung.
Das TorgauerSchloss wurde leider gerade renoviert und war daher eingerüstet.
Unten am Fluss steht das Denkmal, welches an das Zusammentreffen der Roten Armee und der US-Armee an der Elbe im Zweiten Weltkrieg erinnert. In Apollensdorf, einem kleinen Örtchen flußabwärts nach Wittenberg, gab es auch ein solches                               Rathaus Torgau                 Zusammentreffen. Es gibt auch dort eine entsprechende Gedenktafel. Offenbar ist dies aber in den Geschichtsbüchern                                    
untergegangen.     


5. Tag Torgau - Wittenberg 67 km

Der Radweg geht, schon ab Meißen, nicht immer direkt am Fluss entlang. Das ist nicht weiter schlimm, aber man muss es halt wissen.
In der Nähe von Prettin querte ich dann zum ersten Mal die Elbe mit einer motorlosen Gierseilfähre, die an einem in der Flussmitte verankerten Stahlseil hängt.
Der Fährmann stellt die Fähre nur jeweils leicht schräg zur Flussrichtung und die Fähre wird von der Strömung von einem zum anderen Flussufer getrieben.
Schon am Nachmittag traf ich in der Lutherstadt Wittenberg ein und gönnte mir dort zur Abwechslung eine komfortable Übernachtung im dortigen Lutherhotel.
 

                                        
                               Wittenberg Marktplatz                                                      Wittenberg Lutherdenkmal                                        Wittenberg Thesentür      


Abends ging es dann auf zu Stadtbesichtigung und es "luthert" natürlich an allen Ecken und Enden. Auf dem Marktplatz stehen die Statuen Luthers und seines Mitstreiters Melanchthon. Nicht weit entfernt findet man am Portal der Stadtkirche dann die lutherischen Thesen, mit denen der Mönch doch eigentlich nur die katholische Kirche reformieren wollte und stattdessen eine Glaubensspaltung ausgelöst hat. Die Bronzetür stammt natürlich nicht aus Luthers Zeiten, sondern wurde 1858 vom preußischen König Wilhelm IV der Stadt geschenkt. Auch sonst gibt es in der Stadt einige schöne Ecken, z.B. auch den Stadtpark, und zum Abendessen ging es ins Wittenberger Kartoffelhaus, welches allerlei leckere Kartoffelspezialitäten anbot.

 

5. Tag: Wittenberg - Barby 83 km

Am nächsten Morgen machte ich noch ein Abstecher zum Lutherhaus, bevor es weiter auf dem Radweg zunächst bis Coswig (ein anderers, ich bin nicht wieder elbaufwärts geradelt :-) ) zur Fähre ging. Man passiert das bereits erwähnte Örtchen namens Apollensdorf, in dem sich 1945 ebenfalls russische und US-amerikanische Truppen an der Elbe trafen.
Ein weiteres Highlight der Tour war für mich die untere Mühle bei Griebo. Sie ist voll funktionsfähig und produziert heutzutage Strom. Klickt mal mein Video an!.

Tja, und dann war es mal wieder so weit! Ein heftiger
Regenschauer zwang sowohl mich als auch einige anderer Radler unter die Bäume. Glücklicherweise hörte der Regen nach ca. einer Viertelstunde wieder auf und ich gelangte zur Gierfähre in Coswig, d.h. es ging wieder motorlos über den Fluss.
Wenig später kommt man dann im Wörlitzer Park an, der Bestand-teil des UNESCO Weltkulturerbes Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist.
Es handelt sich um eine schön gestaltete Wasser- und Seenland-schaft mit ein, zwei Schlösschen drin. Der Park wurde unter der Regentschaft Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) geschaffen. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, aber das ist schon eine ziemliche Rentnerdestination :-)
 

Egal, für eine kleine Mittagspause auf einer der vielen Parkbänke mit Blick auf den schönen See war es gerade recht und dann ging's weiter nach Dessau.
Auf dem Weg dorthin passiert man mitten im Wald ein
Tor, welches im Zuge der Anlage des Parks einfach mitten in die Landschaft gestellt wurde. Absolut sinnfrei, aber schön anzusehen!

Dessau war dann wieder nicht so prickelnd. Es hat wohl im letzten Krieg (Junkers Werke) auch ziemlich viel abbe-kommen und danach gab es wohl nicht allzu viel, was es sich wieder aufzubauen lohnte. Dafür, dass es mitten in der Stadt wieder einmal kurz regnete, konnte Dessau natürlich nichts, machte die Stadt aber auch nicht schöner.
Für Kunst- bzw. Architekturinteressierte ist das dortige Bauhaus natürlich Pflicht!

Nach einer Kaffeepause in der Stadt, inzwischen schien die Sonne wieder, ging es runter an die Elbe und bald wurde der Fluss wieder mit einer Fähre überquert. Diesmal handelt es sich um eine Motorfähre. Am Ufer stand ein Schild, dass man kräftig winken und rufen solle. Das sieht dann der Fährmann auf der anderen Seite im dortigen Restaurant in Brambach und er kam dann auch tatsächlich. Ja und dann wurde es wieder dunkel und ein Gewitter brach los. Als ich glaubte, das Gewitter sei zu Ende, verließ ich die Schutzhütte im Wald. Stattdessen ging es nochmals richtig los und es war etwa eineinhalb Stunden Kampfradeln angesagt. Völlig durchnässt kam ich in einem Örtchen namens Ronney an der Elbe an. Der dortige Gasthof war entweder wirklich belegt oder die hatten einfach keine Lust, einen triefend nassen Gast aufzunehmen.
Der Fährmann, dem ich die Geschichte erzählte, fand das ziemlich unfreundlich. Auf der anderen Elbseite kam dann nach ca. 2 km ein etwas größer Örtchen namens Barby und die Wirtin des dortigen Gasthauses Grüner Anker hatte dann tatsächlich ein Zimmer für mich. Die heiße Dusche war ein Segen und das Abendessen hat doppelt so gut geschmeckt wie sonst.
 

6. Tag: Barby - Magdeburg - Burg 63 km

In Schönebeck, einem kleineren Städtchen, erreichte ich wieder das Elbufer an und wenig später kam Magdeburg.
Nach einer längeren Fahrt durch die Vorstädte ging es dann wieder runter zum Fluss und auf einer Parkbank habe erst mal gemütlich Mittag gemacht. Eine kleine Stadtbesichtigung schloss sich an, die mit dem Ruinen der ehemaligen Stadtfestung am Elbufer begann und sich mit einer kurzen Besichtigung des Magdeburger Doms fortsetzte.
Als ich innen im Dom einige Fotos machen wollte fauchte mich ein älterer, weiblicher Drachen an und wies darauf hin, dass ich hierfür eine Fotografieerlaubnis für einen oder zwei Euro benötigte. Nicht, dass mir das Geld wirklich weh getan hat. Aber so etwas hatte ich bisher in einer Kirche nicht erlebt. In Abwandlung eines alten DDR-Spruchs kann man nur sagen: "Vom Kapitalismus lernen heißt siegen lernen".

Die weitere Fahrt durch die Innenstadt war touristisch nicht so interessant. Offenbar hatte auch hier der Luftkrieg das alte Magdeburg gründlich ausradiert. Also ging es wieder runter zur Elbe und weiter auf dem Radweg.
Und dann war erst mal wieder heftiger Regen angesagt und ich flüchtete unter das Dach einer kleinen Freilichtbühne, die zufälligerweise am Radweg stand. Glücklicherweise dauerte der Regenguss nicht allzu lange und wenig später über-querte ich die Elbe auf einer elegant über den Fluss gebauten Fahrradbrücke.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Magdeburg Festungsanlage und Dom


Nach etlichen Kilometern kam ein weiteres Highlight der Tour, nämlich das sogenannte "Magdeburger Wasserkreuz"
bei Hohenwarte. Der Mittellandkanal wird dort in einer
Trogbrücke über die Elbe geführt. Damit die die Schiffe vom Mittellandkanal zur Elbe wechseln können, gibt es das alte Schiffshebewerk Rothensee und die neu gebaute Sparschleuse Rothensee. Auf der östlichen Elbseite gehören noch die Schleuse Niegripp für die Verbindung der Elbe zum Elbe-Havel-Kanal, und die Schleuse Hohenwarthe zum Ausgleich des Höhen-unterschieds zwischen den beiden Kanälen, zum Wasserstraßen-kreuz.
Die Trogbrücke ist schon sehr imposant und es sieht einfach toll aus, wenn man oben steht und neben einem ein Frachter über die Elbe fährt.
An der Sparschleuse Rothensee habe ich dann noch mal einen kleinen Stopp gemacht, um einer Schleusung zuzuschauen.
Das Bauwerk heißt übrigens deswegen "Sparschleuse", weil das bei einer Talwärtsschleusung normalerweise einfach ablaufende Wasser                 Trogbrücke Wasserkreuz                         nicht aus der Schleusenkammer rausläuft, sondern in ein Wasser-

reservoir neben der Schleuse und von dort beim Schleusen flussaufwärts wieder in die Kammer zurückgepumpt wird.
Das ganze Wasserkreuzes ist also eine sehr aufwändige Konstruktion und dürfte im Zuge der Wiedervereinigung etliche Millionen gekostet haben.                                                                                                                                                                                     Schleuse Niegripp
Tja, und kaum war die Schleusung vorbei, wurde es wieder mal tiefschwarz und dem Platzregen entkam ich nur durch eine
Flucht in einen Unterstand unterhalb der Schleuse, an dessen Wand Tafeln und Bilder über die Baugeschichte der Sparschleuse hingen. Kurz darauf hieß es dann absteigen und Fahrrad und Gepäck über eine Brücke an der Schleuse Niegripp tragen. Das war dann eine der Stellen, bei denen es auf Komoot dann so schön heißt: „An einigen Stellen wirst du dein Fahrrad tragen müssen!" :-)

Da es schon später Nachmittag war, fuhr ich nicht mehr zurück an die Elbe sondern nach Burg, eine etwas abseits gelegene Kleinstadt. Auf dem Weg dorthin bin ich noch den Tipp eines Einheimischen gefolgt und eine Weile auf einem besseren Waldweg unmittelbar am Elbe-Havel-Kanal entlang geradelt. Das wäre ja ganz idyllisch gewesen.
Leider war der Weg von dem kurz vorher stattgefundenen Platzregen völlig aufgeweicht und das Fahrrad sah hinterher aus, als ob ich mit ihm eine Mountainebiketour unternommen hätte.

In Burg begann wieder das bei mir schon übliche lustige Suchspiel “Wo gibt es ein Zimmer?" Obwohl Burg nun wirklich nicht als attraktiv betrachtet werden kann und auf dem Elberadweg kaum touristischer Radverkehr herrschte, war in diesem Örtchen mal wieder alles ausgebucht. Es fand sich dann 2 km vom Ortszentrum entfernt in der Pension Supplié doch noch ein Zimmerchen, genauer gesagt eine Dachkammer, die wieder den berühmt-berüchtigten "Ossicharme" hatte. Alles war mit uraltem Mobiliar ausgestattet. Die Matratze war komplett durchgelegen und üblicherweise übernachteten in der Pension Monteure aus Osteuropa, von denen einige auch im Haus waren.
Immerhin war der Pensionswirt so nett, mir einen Gartenschlauch zu geben, damit ich mein Fahrrad vom Schlamm befreien konnte. Nach dem Duschen begann am Abend dann wieder ein Starkregen, der es unmöglich machte, zum Abendessen mit dem Fahrrad zurück ins Ortszentrum zu fahren. Der Wirt hatte Mitleid mit mir und bot mir an, mich zu einem Lokal in den Ort zu fahren und später wieder abzuholen. Das Angebot nahm ich dankend an. Am nächsten Morgen hätte ich beim Bezahlen des Zimmerpreise ohnehin vorgehabt, mich für die Fahrt zum Abendessen erkenntlich zu zeigen. Das war aber nicht notwendig, denn der Wirt berechnete zusätzlich zu seinem "Komfortzimmer" einen Taxizuschlag in Höhe von zehn Euro! Naja, wie schon gesagt: "vom Kapitalismus lernen..."
 

7. Tag:  Burg - Havelberg 88 km

Frühstück war im Preis der Luxusunterkunft der Nacht auch nicht enthalten gewesen, sodass ich erstmal ein Bäckereicafé
in einem Supermarkt aufgesucht habe.
Danach ging es rund 5 km zurück zur Elbe und zum Elberadweg und zur Abwechslung schien auch den ganzen Tag die Sonne.

In Jerichow
lag eine beeindruckende Klosteranlage mit Kirche in Ziegelbauweise am Weg und ich wollte mir das eigent-lich auch von innen ansehen. Pustekuchen! Die wollten doch tatsächlich Eintritt für die Besichtigung der Kirche, die mit einem Drehkreuz gesichert war. Ich gebe zu, ich wollte mich dran vorbeimogeln und bekam prompt einen Anpfiff über eine Lautsprecheranlage. Irgendwie kann man sich schon ein wenig wie von der Stasi überwacht vor. Ich bin dann zur Kasse und habe der Dame erklärt, dass ich es aus dem "Westen" nicht kennen würde, dass man in Kirchen Eintritt verlangt und mich das einfach ärgern würde. Sie hat dann versucht, mir das zu erklären, aber das war mir ziemlich egal und ich schwang mich wieder aufs Fahrrad.
Der Radweg führt auch diesem Bereich immer sehr schön an der Elbe entlang und man radelt gemütlich durch die Elbauen.
                                                                                                                            Jerichow Klosterkirche


Am späten Nachmittag dachte ich mir, ich kümmere mich jetzt mal um eine Unterkunft im noch etwas entfernten Havelberg. Ich habe dann ein bisschen im Internet gestöbert und einige Hotels abtelefoniert und siehe da: Alles voll!                                                                                                                     
Es war Wochenende! Auch ein zwei Dörfer vor Havelberg waren keine Zimmer mehr frei. Na prima, dachte ich, jetzt ist wohl endlich mal das "Hotel Scheune" angesagt, das ich bei meinen bisherigen jahrelangen Radtouren immer hatte vermeiden können.

                           Havelberg Hafen

In Havelberg angekommen habe ich es trotzdem auf gut Glück im Hotel am Hafen nochmal persönlich probiert. Die nette Lady an der Rezeption sagte zunächst, dass kein Zimmer mehr frei sei, suchte aber dann eine Unterkunft auf ihrem Handy im Internet. Ein Augenblick später meinte sie plötzlich, sie können mich ja schlecht im Freien über-nachten lassen und gab mir ein wunderschönes Zimmer mit Bad und allem Drum und Dran. Das Hotel arbeitete, wie sie erklärte, coronabedingter mit einer sehr dünnen Personaldecke, sodass sie die Weisung gehabt hatte, nur ein bestimmtes Zimmerkontingent für die Gäste zur Verfügung zu stellen.
Ich hätte sie küssen können, habe mir das als alter Knabe aber verkniffen, auch wenn sie durchaus attraktiv war. Wir haben uns dann noch sehr nett unterhalten und am nächsten Tag habe ich ihr beim Auschecken ein dickes Trinkgeld in die Hand gedrückt

Abends sah ich mir noch ein bisschen die Altstadt an. Sie wird ringsum von der Havel bzw. einem entsprechenden Seitenarm umflossen. Das entsprechende Luftbild, dass ich aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht ins Netz stellen kann, sieht auch sehr schön aus. Wenn man allerdings durch das Städtlein bummelt, so ist es einerseits recht hübsch, andererseits ein bisschen trist. Diese seltsame Mischung, die man in kleineren Ex-DDR-Städten oft antrifft. Ich habe mich dann doch sehr gewundert, weshalb alle Welt dort übernachten will und die Hotels völlig ausgebucht waren. Das absolute Erlebnis war dann allerdings ein griechisches Lokal namens Akropolis. Einen derart schlechten Service habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Ein Tisch auf der Terrasse wurde einem zwar nach einer Weile noch zugewiesen. Dann herrschte aber Funkstille. Sämtliche Kellner bemühten sich, krampfhaft an einem vorbei zu sehen. "Rauchzeichen", sprich verzweifeltes Winken, quittierte ein in der Tür stehender Oberkellner, oder war es der Inhaber, mit Beschwichtigungszeichen. Dann wurde endlich die Getränkebestellung aufgenommen. Dann passierte wieder eine ganze Weile nix. Dann bequemte sich ein Kellner, die Essensbestellung aufzunehmen und dann war wieder Funkstille. Nach insgesamt mehr als eineinhalb Stunden Wartezeit habe ich das Getränk bezahlt und auf das Essen verzichtet. Auch bei dem Versuch, zu zahlen und zu gehen wurde, ich wieder geflissentlich ignoriert. Absolut der Hammer!
In einem netten Dönerladen namens Bistro Istanbul unten am Hafen gab es dann tatsächlich nachts gegen 22:00 Uhr noch eine prima Pizza zu essen und freundlich bedient wurde man auch.
 

8. Tag: Havelberg - Wittenberge 40 km

Am nächsten Tag radelte ich sehr schön meistens an der Elbe entlang bzw. einem dortigen Seitenkanal. Es war sogar sonnig, aber fast die gesamte Zeit blies einem ein heftiger Gegenwind entgegen, der offenbar direkt von der Nordseeküste kam. Einige Kilometer vor Wittenberge habe ich in Hinzdorf den Deichweg verlassen und bin das letzte Stück auf einer kleinen Landstraße nach Wittenberge geradelt. Ich kam dort zwar schon am frühen Nachmittag an, hatte aber beschlossen nicht weiter zu radeln, da nach Wittenberge keine größere Orte mehr kommen und mir das Risiko, keine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, noch von Havelberg in den Knochen steckte. Man sollte sein Schicksal ja nicht ständig herausfordern!
So gab es denn es als Mittagsmahlzeit erst mal ein Stück Torte. Danach habe mir im Internet eine Unterkunft gesucht und im Hotel Elbaue gefunden. Das Zimmer roch stark nach Desinfektionsmitteln, war ansonsten aber o. k. Der Wirt, mit dem ich mich recht nett unterhalten habe, hatte eine bunte Lebensgeschichte und gehörte zu denjenigen, die nach der Wende nicht gejammert sondern angepackt haben. So stand denn im Hof, in dem der Fahrradschuppen war, neben einem Whirlpool auch eine Motoryacht.
Wittenberge selbst, durch das ich abends noch ein wenig bummelte, ist touristisch nicht so attraktiv.
 

9. Tag Wittenberge Hitzacker 75 km

Und weiter ging's auf dem Elberadweg an der Elbe lang. Man radelt in diesem Bereich immer wieder im Grenzbereich zwischen Sachsen-Anhalt bzw. Mecklenburg-Vorpommern einerseits und Niedersachsen andererseits oder anders formuliert zwischen der alten Bundes-republik und der ehemaligen DDR. Damit stößt man dann auch auf den ein oder anderen Wachtturm der ehemaligen Grenze.
Die Grenzbefestigungen verliefen alle auf dem östlichen Elbufer.
Die damalige DDR vertrat aber den Standpunkt, dass es sich bei der BRD und der DDR um zwei souveräne Staaten handele und damit in diesem Bereich die Grenze zwischen den beiden Staaten auf der Elbmitte verlaufe. Dies führte immer wieder zu Zwischenfällen zwischen den Grenztruppen der DDR einerseits dem Bundesgrenz-schutz andererseits, die mit ihrem Booten auf der Elbe patrouillierten.

Bei Schnackenburg überquerte ich wieder einmal die Elbe, diesmal mit einer normalen Motorfähre. Es gibt dort ein kleines Grenz-museum, welches ich besichtigte. Ich selbst bin mit der jüngeren deutschen Geschichte recht vertraut, da ich in Oberfranken in unmittelbarer Grenznähe gelebt habe und eine Oma in der DDR hatte. Aber für diejenigen, die damit nicht so viel zu tun hatten oder haben, ist ein solches Museum doch recht interessant. Man kann es nur empfehlen!

Die Häuser und Orte in dieser Gegend sind nun schon typisch norddeutsch, also viel Ziegelbauweise und manch schönes Reetdach. Auch Störche und Storchennester gibt es immer
wieder, wie schon auf der gesamten Elbetour unterhalb Meißens, viele zu sehen. In der Nähe von Lenzen ging es mit einer Fähre wieder zurück auf auf das östliche Ufer.
Der Elberadweg geht im Übrigen, dies nur der Vollständigkeit halber, auch auf diesem Teil der Strecke bis Hamburg fast immer am Fluss entlang, häufig auf dem Deich.
Am frühen Vormittag erreichte ich Dömitz, ein im Innenstadtbereich recht nettes Örtchen. Dort habe ich mir eine Kaffeepause gegönnt und machte noch einen Abstecher zur dortigen Festung, bevor es dann weiter bis zur Fähre nach Hitzacker, am westlichen Ufer gelegen, ging. Noch während ich zusammen mit einigen anderen Radfahren die Fähre hinüber nach Hitzacker bestieg, setzte mal wieder ein heftiger Platzregen ein und wir kamen alle klatschnass auf der anderen Seite an. In Hitzacker selbst hörte es dann nach wenigen Minuten wieder zu regnen auf. Es war früher Abend und so suchte mir im Internet wieder eine Unterkunft. Nachdem ich im Ort kein privates Fremdenzimmer gefunden hatte, fuhr ich zur einige Kilometer außerhalb Hitzackers gelegenen Jugendherberge. Dort war dann ein Einzelzimmer frei und so war die Übernachtung wieder gerettet.
Die JuHe selbst ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber zum einmal Übernachten hat es alle Mal gereicht.

                     Festung Dömitz
 

10. Tag Hitzacker - Lauenburg 57 km

Am nächsten Morgen holte ich mit dem Fahrrad noch eine kleine Stadtbesichtigung nach, die am Vorabend wegen Regens, aber auch wegen der Suche nach einer Unterkunft ausgefallen war. Die Altstadt Hitzackers mit vielen Häusern in Ziegel- und Fachwerkbauweise, liegt sehr schön auf einer kleinen Insel, ähnlich wie einige Tage zuvor Havelberge.

Um die Tour fortzusetzen, ging es zunächst einmal mit der Fähre wieder zurück auf die andere Elbseite. Ich bin mit Sicherheit noch auf keiner Fahrradtour so viel mit der der Fähre gefahren und das auch noch immer wieder über den gleichen Fluss. Boitzenburg, das ich am frühen Nachmittag passierte, war dann das letzte Städtchen in Mecklenburg-Vorpommern, bevor ich mich wieder Niedersachsen näherte. In Boitzenburg wollte mich Petrus mal wieder einregnen.
Ich habe ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht und unter dem Dach eines halb verfallenen Geräte-schuppens das Ende des Regenschauer abgewartet.
Wenig später erreichte ich Lauenburg und quartierte mich in der Altstadt unten an der Elbe im dortigen Hotel zum alten Schifferhaus ein. Das Zimmer war sehr schön in einer Art Seemannstil eingerichtet und das urige Ambiente des Hotel-restaurants war so, wie es der Name versprach. Da war es fast was zwingend, zum Abendessen grünen Hering mit Bratkartoffeln zu essen. Grüner Hering ist im Übrigen nicht grün. Es handelt sich vielmehr um frischen Hering, der in der Pfanne gebraten wird, also sozusagen Forelle Müllerin in der Seemannsvariante. Die Altstadt unten an der Elbe besteht aus vielen schönen Fachwerkziegelhäusern. Wenn man den Berg hochkraxelt, kann man noch die Reste der ehemaligen Lauenburg besichtigen. Der Rest der Oberstadt ist allerdings im Gegensatz zur Unterstadt völlig uninteressant.                                Lauenburg Unterstadt                                                                                                                                                                                
 

11. Tag Lauenburg - Hamburg 69 km

Und weiter ging es am nächsten Morgen. Hamburg erschien sozusagen langsam am Horizont. In Geesthacht wurde noch einmal ein Zwischenstopp an der dortigen Schleuse gemacht. Das war die erste Schleuse seit Beginn der Elberadtour oberhalb Dresdens. Die Elbe ist zwar reguliert, aber nicht kanalisiert. Sie wäre ideal für eine Kanutour, denn im Gegensatz zu anderen, kanalisierten Flüssen fließt sie praktisch durchgehend. Kurz nach Geesthacht habe ich die Elbe wieder einmal überquert, diesmal allerdings nicht mit einer Fähre sondern einfach über die dortige Brücke. Bis Hamburg geht es nun ständig am oder auf dem Deich längs. Unterwegs, in Hoopte, wurde noch einmal eine Kaffeepause gemacht und dann ging es auf zum Endspurt nach Hamburg.

Und tatsächlich, am frühen Nachmittag stand ich dann noch mitten in der freien und grünen Landschaft am Ortsschild
"Hamburg". Zunächst ging es über in Hamburg-Harburg auf einer Brücke über die Süderelbe und dann durch Hamburg-Wilhelmsburg zum Hafengelände der Norderelbe und dem dortigen alten Elbtunnel an den Landungsbrücken.
Der alte Elbtunnel, nicht zu verwechseln mit dem neuen Elbtunnel mit der A7, wurde 1911 gebaut. Er hat zwei Röhren und man fährt in einem Aufzugkorb etwa 20 m nach unten. Dort geht es dann durch die eigentlichen Tunnelröhren unter der Norderelbe bzw. dem dortigen Hafenbecken hindurch zu anderen Seite und mit dem dortigen Aufzug wieder nach oben. Für Radfahrer und Fußgänger ist die Benutzung kostenlos. Tja, und dann steht man an den St. Pauli Landungsbrücken und ist mitten in Hamburg, meiner Geburtsstadt.
Noch in Lauenburg hatte ich im Internet für Hamburg ein Hotel gesucht und im Stadtteil Georgswerder, also hinter dem Hauptbahnhof in Hamburg, gefunden. Die Gegend hat ja einen etwas zweifelhaften Ruf und das Hotel, das Novum Style Hotel, liegt in einer Straße, die auch in einer arabischen Großstadt liegen könnte. Das Hotel selbst aber war völlig in Ordnung. Modern, zweckmäßig und preiswert.
Nach den üblichen frisch machen ging es dann erst mal zu Fuß an die nicht weit entfernte Außenalster. Auf einem in der der Altster liegenden Steg eines dortigen Restaurants habe ich bei einem passenden Getränk, einem Alsterwasser (Radler), den Seglern auf dem Wasser und den Heißluftballons in der Luft zugeschaut und die Abendsonne genossen.  Weiter ging es dann zur Binnenalster. Die dortige Stadtkulisse mit der Alsterfontäne ist auch einfach nur schön anzuschauen..
 

12. Tag Hamburg

Den ganzen nächsten Tag war Sightseeing angesagt. Ich habe mir ein Tagesticket des HVV besorgt, um auch ohne Fahrrad mobil zu sein. Dann ging's zum Frühstücken erst mal in die Fußgängerzone bzw. in die Spitalerstraße und anschließend runter zu den Landungsbrücken. Die früher gegenüber liegenden Werften gibt es zwar schon seit Jahrzehnten nicht mehr, aber die Atmosphäre dort riecht immer noch ein bisschen nach weiter Welt. Dort liegen auch einige schöne Museumsschiffe. Sehr beeindruckend war auch ein Schaufelraddampfer, der dort genau genommen nicht hingehört, aber beeindruckend aussieht. Weiter ging es zur Speicherstadt.
Auf der dortigen Kehrwieder Spitze steht ein kleines Backsteingebäude, welches immer in den Außenaufnahmen der Vorabendserie "Notruf Hafenkante" als Polizeigebäude zu sehen ist. Tatsächlich ist es auch ein Polizeigebäude. Nur das große blaue Polizeischild fehlt. Die Besichtigung der Elbphilharmonie, die wie alle Großprojekte sinnlos überteuert ist, aber tatsächlich das neue Juwel Hamburgs ist, habe ich mir gespart. Stattdessen habe ich auf gut Glück an der Tageskasse des Miniatur Wunderlands probiert ein Ticket zu bekommen. Im Internet war nämlich alles ausgebucht, denn diese gigantische Modelleisenbahnausstellung darf corona-bedingt auch nur mit halber Kraft laufen. Tja, und tatsächlich: ich bekam eine Karte! Juchhu!

Diese Ausstellung schaue ich mir eigentlich bei jedem Hamburgbesuch an.
Es gibt immer wieder Neues zu entdecken und nicht nur deshalb, weil die Ausstellung immer mal wieder erweitert wird, sondern weil die Landschaften mit so viel Liebe zum Detail gestaltet sind, dass man tatsächlich immer wieder neue Sachen entdeckt. Alle Landschaften bzw. die entsprechenden Räume werden etwa im Halbstundenrhythmus abgedunkelt und dann leuchten die Landschaften mit Millionen von LED-Lämpchen bei Nacht. In Knuffingen gibt es dann immer einen Feueralarm. Polizei- und Feuerwehrautos rücken aus. Der Brand am Schloss wird gelöscht und anschließend fahren alle Autos wieder zurück. Der Platz einer solchen Reisebeschreibung reicht gar nicht, um alles zu beschreiben. Besonders beeindruckend ist auch der Flughafen, auf dem Flugzeuge wie von Geisterhand landen und zu ihren Warteposition rollen oder umgekehrt von dort aus starten.
Klickt auch hier mal mein Video an! Als Gag fliegt dann auch einmal eine große Biene Maja über die Start- und Landebahn. Absolut beeindruckend ist auch ein Vulkanausbruch. So, jetzt jetzt höre ich aber wirklich auf, sonst wird der Text zu lang :-) .


                       Knuffingen bei Nacht

Den Rest des Tages bummelte ich noch ein wenig kreuz und quer durch die Stadt. Zum "Pflichtprogramm" gehört bei mir bei einem Hamburg Besuch auch ein Besuch bei Daniel Wischers gleich um die Ecke beim Rathaus. Es handelt sich um ein Fischlokal, bei dem es leckeren Backfisch aller Art und einen ausgezeichneten, hausgemachten Kartoffelsalat gibt. Abends ging es dann noch mal runter zum Hafen zu den Landungsbrücken bzw. am Kai bei den Museumsschiffen. Die Stimmung ist dort im Dunkeln mit Blick auf die Lichter im Hafen auch einfach schön.
Man kann sagen was man will: Hamburg hat einfach was!


13. Tag Hamburg - Lübeck 76 km

Tja, und am nächsten Morgen ging's dann weiter Richtung Lübeck. Hamburg ist ja nun einmal keine Kleinstadt und man radelt eine ganze Weile, bis man wieder freies Land sieht. Berge gibt's keine (kleiner Gag :-) ) Nach einem kleinen Örtchen namens Papendorf radelte ich eine ganze Weile bis kurz vor Lütjensee auf einer fein asphaltierten, ehemaligen Bahnstrecke entlang. In Lütjensee hatte ich dann am gleichnamigen See eigentlich eine Mittags und Badepause eingeplant, nachdem es auch in diesem Tag, wie schon die beiden Tage zuvor, nicht geregnet hatte. Mit dem Baden war es aber dann nichts, denn der See war wegen Blaualgenbefalls gesperrt!
Also ging es weiter unverdrossen Richtung Lübeck und zwar das letzte Stück ab Krummesse (nach einer Kaffee- und Tortenpause dort) schön am Elbe-Lübeck-Kanal entlang.
In Lübeck fand sich dann gleich nach dem Holstentor am Kai der Obertrave ein gemütliches Hotel namens Ringhotel Jensen.
Wie immer ging's dann nach dem Umziehen in Zivilklamotten auf zu einer Stadtbesichtigung. Das Holstentor durfte natürlich nicht fehlen und auch das Rathaus sieht imposant aus. Das Thomas-Mann Haus wurde gerade renoviert.
Es gibt auch noch das eine oder andere schön anzusehende, mittelalterliche Bauwerk. Insgesamt hatte ich mir von der Lübecker Innenstadt jedoch etwas mehr erhofft. Sie stellt kein geschlossenes historisches Ensemble dar, d. h. auch hier hat der zweite Weltkrieg bzw. der fantasielose Wiederaufbau nach dem Krieg seine Spuren hinterlassen.
 

14. Tag Lübeck - Heiligenhafen  77 km

Am nächsten Tag folgte sozusagen der Endspurt Richtung Ostsee und Heiligenhafen am Fehmarnsund. Zunächst radelte ich durch einen Ort, der durch seine gleichnamige Marmeladenfabrik bekannt ist, nämlich Bad Schwartau. Schlussendlich kam ich dann in Timmendorfer Strand am Strand der Ostsee an. Wenn ich als kleiner Junge mit meinen Eltern bei meiner Tante in Geesthacht Sommerurlaub machte, wurde auch mindestens einmal an die Ostsee an den Timmendorfer Strand gefahren. Usedom und Rügen waren damals ja noch fernes DDR-Ausland. Ich habe die Ostsee aus diesen Zeiten als Quallensee in Erinnerung. Als ich als Erwachsener später auf Usedom, Rügen oder an der polnischen Ostseeküste Urlaub gemacht habe, sind mir diesem netten Tierchen, von vereinzelten Exemplaren abgesehen, glücklicherweise nicht mehr entgegen geschwommen.
Was einen freilich völlig nervt, sind die sämtlich kurtaxepflichtigen, abgesperrten Strände. Da das Wetter an diesem Tag aber nicht so bademäßig war, hatte ich auch kein sonderliches Bedürfnis ans Wasser zu gehen. Dafür fand sich dann in Haffkrug eine ausgesprochen nette Inhaberin eines Fischkiosks, die mir einen Tipp gab, wo ich gleich um die Ecke kurtaxefrei auf einer Bank am Strand vor der Kurtaxegrenze meinen Backfisch verspeisen konnte.
Über Neustadt ging es dann weiter bis Oldenburg in Holstein. Dort war erst mal wieder einem Supermarktcafé ein Kaffeepäuschen angesagt, bevor es dann zum Endspurt nach Heiligenhafen ging. Man hügelte so ein bisschen auf und ab. Alles war grün, aber landschaftlich auch ziemlich unauffällig.
Am späten Nachmittag kam ich dann in Heiligenhafen an. Das dürfte auch eines dieser ehemaligen Fischerdörfchen sein, die in der Neuzeit zu einem Badeort an der Ostsee wurden. Dort rollte ich dann bei guten Bekannten aus alten Zeiten ein und fand für zwei Nächte ein schönes Quartier in ihrem Häuschen in einer Neubausiedlung. Sie hatten vor vielen Jahren während eines Urlaubs in Heiligenhafen beschlossen, sich dort niederzulassen. Ganz sicher keine schlechte Idee, wenn man das Meer liebt.
Abends machten wir einen Bummel durch das Örtchen mit einem kleinen Dorfkern, wie immer im Norden alles in Ziegel. Der eigentliche Badeortsteil an der Ostsee ist ein künstliches Neubaudorf mit einer kleinen Kneipenmeile. Das Abendessen, natürlich Fisch, in einem Lokal am Hafen war dann richtig lecker.
 

15. Heiligenhafen Rundtour 42 km



Meine Bekannten hatten auch EBikes und so wurde am nächsten Tag eine Tour durch die Umgebung Heiligenhafens gemacht.
Zunächst ging es zu einem weiteren kleinen Badeort namens Großenbrode. Dort gab's zum Mittagessen am Strand zünftig Fischsemmeln mit einem Flensburger Pils. Ich habe mich dort auch kurz mal in die Ostsee gestellt. Zum Schwimmen hatte ich aber keine Lust, denn es war zwar sonnig, aber so richtiges Badewetter war es auch nicht.
Der Rückweg führte dann in einem großen Bogen noch zum festlandseitigen Ende der Brücke über den Fehmarnsund. Die steht dort nun auch schon seit den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Klingt mordsmäßig historisch gell? Aber ich bin als alter Knabe eben auch schon im vorigen Jahrhundert geboren :-) . Derzeit ist man dabei, von der Insel Fehmarn unter der Ostsee hindurch einen Tunnel bis nach Dänemark zu bauen. Anschließend ging's zurück nach nach Hause bzw. Heiligenhafen und abends haben wir beim Scrabbeln noch das eine oder andere Viertele getrunken.

 

 

 

16. Heiligenhafen - Oldenburg 15 km u. Rückreise Hannover

Am nächsten Morgen war wieder Schluss mit Sommer und der Wetterbericht für die Folgetage war auch nicht gerade verheißungsvoll. Bei schönem Wetter wäre ich noch zurück bis Lüneburg oder so geradelt. Das habe ich aber dann gelassen, radelte im Regen nur bis Oldenburg und stieg dort in einen völlig überfüllten kleinen Bummelzug.
Der Zug eine Stunde vorher war so voll gewesen, dass man überhaupt nicht einsteigen konnte. In Lübeck hieß es dann Umsteigen in den Zug nach Hannover, der sehr gemütlich (Nahverkehr, Quer-durchs-Land-Ticket!) über Lüneburg nach Hannover fuhr. In Hannover suchte ich das im Internet gefundene Hotel an der Marktkirche auf.
Es handelt sich um ein einfaches, sauberes Hotel und im dazugehörigen Restaurant Grüßchen ?, sehr rustikal und urig, mit den in norddeutschen Kneipen üblichen gemütlichen Theken, gab es etwas Herzhaftes zum Abendessen

 

17. Tag Rückreise Hannover - Göppingen

Am nächsten Tag habe ich mir dann noch mal ein Quer-durchs-Land-Ticket gekauft und kam nach 14 Stunden Zugfahrt endlich nachts um 22:00 Uhr etwas gerädert aufgrund der einen oder anderen Zugverspätung, aber letztlich wohlbehalten in Göppingen an. Das Corona Erinnerungsfoto muss sein. Mal sehen, wie wir im Sommer 2022 durch das Land reisen werden.

Tja, und das war Sie dann, meine Sommertour 2021. Etwas flacher als letztes Jahr. Dafür habe ich mir dieses Jahr aber auch nicht das Schlüsselbein gebrochen! :-)


Wer mir etwas zu dieser Seite schreiben will, kann mir gerne eine Email senden.
 

Weitere Radtourenberichte auf: Meine Radtouren